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8 Stunden im Sattel, 6 Tage lang – Almauftrieb im georgischen Kaukasus

Annette Storr


02. Juni 2022

Endlich erfüllen wir uns den großen Wunsch einmal im Leben den Almauftrieb einer Pferdeherde mitzumachen. Soso Shetidze, georgischer Pferdehirte, ermöglicht uns diesen Traum. Jeden Morgen wachen Claudi und ich um 6:30 Uhr auf und freuen uns auf den Tag, obwohl wir wissen, dass die 8 – 10 Stunden im Sattel sau anstrengend werden.

Zu der Zeit sind die Hirten Soso, Robi und Dima bereits auf den Beinen und versorgen die 74 Tuschetischen Bergpferde, die beiden Frauen Maiko und Ledi machen für alle stärkendes und köstliches Frühstück. Soso und seine Helfer sind Tuschen. Die Tuschen sind ein halbnomadisches Volk und führen eine Wanderweidewirtschaft. Im Winter leben sie mit ihren Pferden in der weiten Ebene Kachetiens in Vaschlovani nahe der Aserbaidschanischen Grenze und wenn es dort im Frühling zu heiß wird – im Sommer gerne an die 50° C – und die Weiden abgegrast und vertrocknet sind, ziehen sie mit ihrem Vieh hoch auf die Weiden Tuschetiens in den Kaukasus. Hier konnten sich die Wiesen über den Winter erholen und sind nun besonders nährstoffreich.

Gaumatschos!

Es ist der 2. Juni und wir steigen am Tiflis International Airport in den 4-Radantrieb von Dima. Er bringt uns zu Sosos Farm nach Vaschlovani in die Nähe des Dorfes Kasristkali. Am Montag beginnt hier der Track. Wir haben 3 Tage Schonfrist, in denen wir unsere Pferde kennenlernen und mit ihnen ein paar Ritte zum nahe gelegenen Vaschlovani National Park machen.

Es wird mit den Vorbereitungen begonnen. Auch unser Küchenzelt, das Wechsel® „Voyager“ mit 190 cm Stehhöhe, wird noch einmal für einen letzten Check aufgebaut. Groß genug für ein Pferd ist es, aber Shamchor zieht seine große Weide ohne Zaun vor. In diesen Tagen sehen wir auch andere Schäferfamilien in der Ferne, die sich mit ihren Schafen und Kühen auf den Weg machen. In dieser Zeit steigt die Aufregung bei uns enorm. Wir haben schon so viel von dieser unbefestigten und daher gefährlichen Route über den fast 3000 m hohen Abano Pass gehört. Aber vorher ist eins noch unklar: Wann wird die Straße vom Georgischen Straßenamt für Autos freigegeben? Das Öffnen der Straße hängt von den Aufräum- und Ausbesserungsarbeiten entlang der 72 km langen Schotterpiste ab. Im Winter nehmen regelmäßig Erdrutsche und Unterspülungen Teile der Straße mit in die Tiefe. In manchem Frühling steht kilometerweit die Piste metertief unter Wasser, regelrechte Seen entstehen auf Tuschetischer Seite in den niederen Lagen. Aber dann, am Sonntagnachmittag, teilt das georgische Straßenamt über Twitter mit, dass die Straße endlich auf ist! Werden wir alles heil überstehen, wird uns die unbefestigte „Tusheti Road“ gnädig gestimmt sein?

Montagmorgen 6. Juni. Alles wird auf den Minibus und Anhänger geladen. Sogar die Sonnenpaneele werden abgebaut. Dann ist es soweit, der Treck setzt sich in Gang. Die ersten 2 Tage wird viel galoppiert. Hier in der weiten Steppe Kachetiens kommen wir schnell und gut voran. Am Anfang bin ich noch recht vorsichtig, aber bald habe ich vollstes Vertrauen in meinen Wallach Fuchs, Shaman. Shaman ist 17 Jahre alt, unfassbar ruhig und bergerfahren. Mit ihm hat Soso früher viele Pferderennen gewonnen. Einmal sogar ein Gewehr und einen Fernseher. Ich merke bald wie die Welt hier komplett anders tickt.

Am dritten und vierten Tag reiten wir entlang der georgische Weinroute. Mit den vielen Wasserläufen ist die Gegend feucht und der Weg geht oft an alten Weinbergen, Fruchtplantagen und den typischen Walnussalleen vorbei. Entlang der Route greifen wir oft nach reifen und tiefhängenden Maulbeeren. Auch die Pferde lieben diese süße Abwechslung.

Auf der Migrationsroute sind 3 Kriterien wichtig: der Pausen- und Lagerplatz muss Wasser in der Nähe und Schatten für die Tieren bieten und er muss frei sein. Wenn alle Familien gleichzeitig losziehen, kann es sein, dass die Rastplätze sehr voll werden. Aber wir haben Glück.

Am fünften Tag hat sich die Route komplett verändert. Nun klappern die beschlagenen Hufe unserer Pferde auf dem Asphalt. Wenn wir durch Dörfer reiten, kommen die Menschen aus ihren Häusern und begrüßen uns, wünschen uns Glück für den anstrengenden Auftrieb über die Passstraße, die hier beginnt. Am sechsten Tag geht die Straße in eine Schotterpiste über und die Steigung nimmt arg zu. Die Straße ist an den meisten Stellen 4 -5 m breit und geht an der einen Seite steil hoch und auf der anderen steil runter. Ab und zu gibt es Ausweichbuchten, um den Gegenverkehr zu umfahren. Wir sehen wo im Winter Teile abgerutscht sind. Die Straße windet sich um den Hang und dann erscheint vor uns eine weitere Pferdeherde. Sehr schnell vermischen sich die beiden Gruppen jeweils von einer bis 2 Leitstuten und einem Hengst angeführt. Mitten auf der Tusheti Road kommt es zu einem Kampf der beiden Hengste. Wir müssen die Herden trennen und im Abstand weiterziehen. Aber auf 4-5 m Breite und kaum Platz zum Manövrieren wird das heikel. Wir wollen keines der kleinen Fohlen verlieren, die noch nicht so trittsicher sind wie die Alten. Mit viel Geduld und Zeitverlust gelingt es uns. Ab nun reiten wir mit sicherem Abstand und langsamerem Tempo.

Nun bietet die Sicht kaum noch Bäume und Nebel zieht auf. Die Temperaturen sinken auf unangenehme 4 bis 0° C: der Abano Pass ist nicht mehr weit. Wir wissen, wer es über den Pass schafft, schafft auch den langen Weg bergab. Die Stimmung ist gut trotz des Nebels. Am Gipfelkreuz, im Schutz der Pass-Kapelle, nehmen wir unser schnelles Lunch ein. Ein tolles Gefühl. Wir zünden alle eine Kerze an und bedanken uns bei den Berggöttern. Jetzt ist es nicht mehr weit, nach 3 Stunden bergab erreichen wir die Bergdörfer Tushetiens. Sie liegen in der Sonne weit vor uns am Hang. Sie wurden von ihren Familien vor hunderten von Jahren gebaut und sind seitdem in ihrem Besitz. Geschichtet aus Schieferstein und mit der typischen Lehmschicht verputzt, kleben sie an den Hängen wie Schwalbennester. Keines der Häuser hat Strom oder fließend Wasser. Balkone mit floralen Schnitzereien oder Tierelementen zieren die Häuser. Wir sind heil angekommen hoch oben am Ende der Welt. Gaumatschos!

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