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2006 starteten Forscher der TFH Berlin zur Wiederholungsvermessung der Eisdicke in Grönland.

Prof. Dr.-Ing. Wilfried Korth


25.Mai 2010

Der Klimawandel ist ein Dauerbrenner in den Medien. Der letzte Winter ist fast ausgefallen und der vorherige war lang und kalt. 2007 soll, global gesehen, eines der wärmsten Jahre überhaupt werden. In Asien häufen sich Überschwemmungen. Der Nordpol ist fast schon ohne Eisbrecher erreichbar. Das Ozonloch über der Antarktis hat sich dramatisch wie noch nie ausgebildet... Die großen Gletscher auf der Erde reagieren sensibel auf globale Klimaänderungen. Auch die Veränderung der Eismassen Grönlands ist ein wichtiges Indiz für Klimaprozesse auf der ganzen Erde. Es ist also außerordentlich spannend, vor Ort nach den Spuren der Erderwärmung zu suchen.

Normalerweise werden heutzutage Polarexpeditionen mit erheblichem technischen Aufwand durchgeführt, was auch mit einem gewissen Komfort für die Forscher verbunden ist. Aber Polarforschung ist so auch sehr teuer. Verzicht auf diesen Aufwand ist selten. Wenn man aber die heutigen Möglichkeiten der Sportlogistik nutzt, kann man mit vergleichsweise geringem finanziellen Aufwand interessante Gebiete erreichen und mit der Kombination von Sport, Abenteuer und Forschung wertvolle wissenschaftliche Ergebnisse erzielen. Dies ist ein bisher in der Polarforschung eher unüblicher Ansatz. Abenteurer sind für Forschungsarbeiten meist nicht ausreichend qualifiziert und Wissenschaftler häufig nicht zu extremsportlichen Leistungen und Entbehrungen bereit.

Aber es gibt Ausnahmen! Unter der Leitung des Dresdner Bergsteigers und Geodäten Wieland Adler hat im Jahre 2002 eine vierköpfige Gruppe die Eishöhen entlang einer 700 km langen Traverse über das Inlandeis Grönlands zentimetergenau gemessen. Es handelte sich um eine historische Route, die der Schweizer Meteorologe Alfred de Quervain 1912 erstmals begangen hatte. Wenn man Veränderungen der Gletscher sehen will, muss man mehrmals messen. Daher startete im letzten Sommer die Wiederholungsmessung. Wir mussten, wieder nur auf Skiern mit selbst gezogenen Schlitten, im Schnitt 20 km am Tag schaffen. Es wurde exakt die gleiche Route mit identischem Zeitplan absolviert.

Das hört sich leicht an, ist es aber nicht! Im Jahr 2002 hat die Gruppe nach Möglichkeit große Distanzen zurückgelegt. In diesem Jahr mussten die gleichen Tagesetappen unabhängig von den momentanen Wetter- und Schneebedingungen zurückgelegt werden. Wir hatten nur eine Reservezeit von zwei bis drei Tagen. Die physischen Anforderungen waren daher enorm, woraus sich auch eine große psychische Belastung der Expeditionsgruppe ergab. Wir sind meist acht Stunden täglich marschiert. Nur die wenigen Segeltage waren etwas weniger anstrengend. Wir sind stolz, dass das Expeditionsziel mehr als nur erreicht wurde.

Es konnten 33 der 35 Messpunkte von 2002 erneut bestimmt werden. Zusätzlich zum Expeditionsprogramm wurden Geschwindigkeitsmessungen am Ilulissat Icefjord realisiert, um eine Messreihe der TU Dresden weiterzuführen. Dieser Gletscher ist einer der schnellsten der Erde. Er hat seine Geschwindigkeit in den letzten fünf Jahren auf über 40 Meter pro Tag (!) verdoppelt, was eine dramatische Änderung des Massenhaushaltes in seinem Einzugsgebiet darstellt. Durch eben dieses Einzugsgebiet verläuft auch ein großer Teil unserer Route.

Welche Massenänderungen haben wir gemessen? Oberhalb von 2000m haben wir eine Höhenzunahme von ca. 10 cm pro Jahr beobacht. Dies steht auch nicht im Widerspruch zu Prognosen, da eine Klimaerwärmung erhöhte Verdunstung und infolgedessen erhöhte Niederschlagsmengen bedeutet, die in den großen Höhenlagen Grönlands als Schnee fallen. Unterhalb von 2000m Höhe nimmt Oberflächenhöhe durchschnittlich 1,5m pro Jahr ab! Die Eismassen Grönlands nehmen also dramatisch ab.

Nun mag man sich fragen: Warum ein solches Messprojekt nicht mit moderner Technik? Warum mit solch archaischer Logistik? Ist das zeitgemäß? Es ist zeitgemäß! Aus mehreren Gründen. Polarforschung kostet wie alle Forschung viel Geld. Ein gleichgutes Ergebnis mit weniger Geld erreichen ist immer sinnvoll! Es gibt aber auch noch einen gewichtigen pragmatischen Grund: Infolge der globalen Erwärmung sind große Flächen der Eiskappe im Sommer angetaut, bis in 2500m Höhe! Wir haben uns über Schneematsch bewegt! Mit schwerer Technik ist das unmöglich. Einzig auf Skiern geht es. Neben wissenschaftlichem war also auch sportlicher Ehrgeiz nötig. Eine Kombination, die alle Teilnehmer auszeichnete!