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Im Kajak in den Schären nördlich von Göteborg.

Kilian Zagel


Juni 2018

An einem warmen Juniabend fahren wir mit der Fähre von Rostock nach Trelleborg. Die Nacht verbringen wir im Schlafsack auf Deck. Am Morgen erreichen wir bei herrlichem Sonnenschein und angenehmen Temperaturen Trelleborg. Von dort fahren wir mit dem Auto weiter nach Norden. Nach ca. zwei Stunden erreichen wir Göteborg. Einen genauen Plan wo wir mit unserer Tour starten wollen haben wir noch nicht - wir orientieren uns anhand der Karte und fahren durch Göteborg und dann weiter nach Westen. Vorbei an den Volvo-Werken fahren wir nach Amhult, das macht zumindest auf der Karte einen vielversprechenden Eindruck. Wir finden einen kleinen schönen Hafen in Hällsvik, dort bauen wir die Boote auf und verstauen das Gepäck. Unser Auto können wir netterweise bei einem Einheimischen in der Einfahrt stehen lassen. Ansonsten ist es sehr schwierig einen Parkplatz an der Straße zu finden.

Die erste Etappe

Bei leichtem Regen starten wir Richtung Norden, schaffen es jedoch nur noch bis Strömsö, eine kleine unbewohnte Insel. Wir beenden die erste Etappe, weil der Regen deutlich stärker wird. Hier bewährt sich das Forum 4 2 zum ersten Mal. Bei traumhaftem Wetter und ruhiger See starten wir am nächsten Tag. Wir schlängeln uns durch die kleinen Inseln, mal bewohnt mit kleinen roten Häuschen, mal karg und menschenleer. Wir schaffen 24 km und finden am Abend einen herrlichen Übernachtungsplatz auf Tärneskär. Weiter geht es zur Insel Ästol- bekannt für ihre Bars, Restaurants und vor allem die Fischräuchereien. Die Insel ist autofrei aber bewohnt von ca. 300 Menschen. Auch gibt es eine Fährverbindung zum Festland. Gestärkt und mit frischen Lebensmitteln paddeln wir weiter nach Norden. Im Verlauf des Tages nimmt der Wind stark zu. Wir fahren jetzt an der Westküste der Insel Tjörn entlang und haben nur noch vereinzelt Schutz durch vorgelagerte Inseln. Auf einer solchen bauen wir am Abend nach anstrengenden 23 km das Zelt auf. Wie nun auch die anderen Inseln ist unsere Übernachtungsinsel Skaboholmen sehr felsig und wir sind wirklich froh über die selbsttragende Konstruktion des Forum 4 2. Es gibt auf der gesamten Insel keine einzige Möglichkeit, Zeltheringe zu befestigen.

Zum moosigen Märchenland

Mit Rückenwind starten wir in den nächsten Paddeltag voller neuer Eindrücke. Die Schärenlandschaft ist wirklich traumhaft schön und viel abwechslungsreicher, als wir uns das vorab erträumt hatten. Nach etwa 17 km mit viel Westwind kommen wir zur wunderschönen Bucht der Insel Lavön - hier wollen wir unbedingt eine Nacht bleiben. Die Landschaft der Insel ist kurios. Im Vergleich zu den bisher sehr felsigen Übernachtungsplätzen erwartet uns hier eine fast schon moosartige weiche Wiesenlandschaft, durchzogen von kleinen Wassergräben. Man kommt sich vor wie im Märchenland, es scheint alles so unwirklich und unberührt. Wir klettern auf die Felsen und bewundern die Schönheit der Natur und den Sonnenuntergang von oben. Am nächsten Tag versuchen wir wieder die beste Route im Windschatten zu finden. Dabei kommen wir durch den netten Ort Grundsund. Im Hafen machen wir Halt und da fängt es auch schon an zu regnen. Zum Glück finden wir aber schnell ein passendes Lokal und lassen uns mit einheimischen Gerichten verwöhnen. Köttbullar und Graved-Lax müssen auf einer Schwedenreise einfach sein.

Der Wetterbericht verspricht nichts Gutes.

Wieder bei starkem Wind geht es weiter bis Lysekil. Lysekil ist eine Kleinstadt mit fast 8000 Einwohnern und einer der größten und städtischsten Badeorte. An der Stadt vorbei schaffen wir es gerade noch bis zum nördlich der Stadt gelegenen Campingplatz. Gerade angekommen in der dortigen wohlverdienten heißen Dusche hören wir draußen auch schon wieder den Regen. Dieses Mal ist es extremer Starkregen und wir sind wirklich froh, hier zu sein, auch wenn die Preise für den Stellplatz beachtlich sind. Dank der vier Zelteingänge können wir uns die dem Wind und Regen abgewandte Seite aussuchen, um dort unser Essen zu kochen. Wir checken den Wetterbericht für die nächsten Tage. Er verspricht nichts Gutes. Der Wind aus Nordwest soll so strak bleiben und auch das Regenradar verspricht keine Besserung. Wir beschließen, am nächsten Tag nicht weiter Richtung Norden, sondern wieder Richtung Ausgangspunkt Göteborg zu paddeln. Die Tour weiter entlang der Küste ohne Windschutz ist uns doch zu gewagt. Auf dem Rückweg wollen wir die Route östlich der Insel Orust nehmen und erhoffen uns dort, geschützt durch die Insel selbst, eine ruhigere Windlage.

Wechselhaftes Wetter im Paddlerparadies

Bei einer maximalen Geschwindigkeit von 3 km/h gegen den tosenden Wind und bei seitlichen Wellen, die die Boote zum schaukeln bringen, brechen wir am Morgen auf. Auf Höhe des Naturreservats „Stångehuvuds nature reserve“ erleben wir den bisher größten Seegang. Wir suchen uns eine kleine Wasserstraße weiter östlich, damit wir nicht mehr an der Küste entlang paddeln müssen und finden einen Weg vorbei an Oxevik und Kärlingesund. Bei etwas Sonnenschein ist dies die reinste Erholung. Wir schaffen die insgesamt 18 km bis zur Insel Hjältön. Unser Zelt steht auch hier auf dem weichen Waldboden sehr gut. Wir werden bei der nächsten Etappe tatsächlich für die Strapazen der letzten Tage belohnt. Bei Windstille schweben wir quasi über das spiegelglatte Wasser. Der Blick schweift zwischen Festland und der Insel hin und her. Hier sehen wir nun auch wieder öfter Paddler und wir versuchen nun das erste Mal zu angeln. Nach einem entspannten Paddeltag und ganzen 31 km kommen wir nach Djurnäs. Der nächste Tag erinnert uns wieder daran, weswegen wir uns entschieden, umzudrehen. Wind und Regen begleiten uns bis Vinterholmen. Dort bleiben wir, weil danach das Naturreservat beginnt und somit für längere Zeit keine Übernachtungsmöglichkeit vorhanden ist.

Am morgen starten wir bei Sonne und wenig Wind. Ab Mittag wird es jedoch wieder zunehmend ungemütlicher. Starker Gegenwind macht das Paddeln immer anstrengender. Schließlich gehen wir in einem kleinen Hafen an Land um uns etwas auszuruhen. Dort beschließen wir dann die Tour zu beenden. Ich fahre mit Bus und Bahn nach Göteborg um das Auto zu holen. Bei der Fahrt nach Göteborg erfahre ich von Einheimischen, dass dieser Sommer wirklich ungewöhnlich kalt und verregnet ist. Trotzdem war das sicher nicht unser letzter Besuch in den schwedischen Schären. Die Landschaft ist ein Traum und ein Paradies für Paddler.