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TASTING TRAVELS – TASTING THE CULTURES OF THE WORLD

Annika Wachter


17. Februar 2014

Zwei Jahre lang sind wir nun unterwegs mit dem Ziel das soziale Mitgefühl weltweit zu stärken. Wir wollen den Menschen die nicht reisen können zeigen, dass die Menschen anderswo gut sind, auch wenn in der Zeitung oder im Fernsehen meist nur Negatives berichtet wird. Die, die selbst reisen können, wollen wir dazu anregen, selbst tiefer in die Kultur anderswo einzutauchen, die Menschen kennen und lieben zu lernen und sich zu öffnen.

Wir, das sind Roberto Gallegos aus Mexiko und Annika Wachter aus Deutschland. Vom Radfahren hatten wir vor unserer Reise nicht den blassesten Schimmer, doch wir suchten nach einer günstigen Möglichkeit, uns langsam durch die Welt zu bewegen. Erst als wir schon eine Weile unterwegs waren, realisierten wir, dass wir dank unserer Räder immer wieder in kleinen Ortschaften Pause machen, in denen kein Touristenbus anhält. Wir sind auf die Hilfe der Einheimischen angewiesen, müssen regelmäßig nach Wasser, Essen, dem Weg und einem Zeltplatz fragen. Oft landen wir spontan auf den geernteten Feldern einer netten Bauernfamilie und werden sogleich gebeten, das Zelt stehen zu lassen und zum Abendessen mit ins Haus zu kommen. Egal ob Laos, der Iran, Serbien, Kirgisistan, China, die Türkei, Kambodscha oder Ungarn: die Menschen haben uns überall wie ihre geladenen Gäste behandelt. Dass wir meistens kaum ein Wort in ihrer Sprache sagen konnten, war Nebensache. Die Kinder, die sich anfangs noch schüchtern an die Beine ihrer Eltern klammern, spielen schon bald mit Isomatte, Schalthebel und unserem Zelt. Die Erwachsenen betrachten die Fotos vom Wattenmeer, Fachwerkhäusern, Schneewehen im Garten, unseren beiden Familien, sowie Wasserfällen, dem Dschungel und Mayaruinen in Mexiko. Oft kochen wir gemeinsam oder steuern etwas Obst als Nachtisch hinzu, bevor wir ins Zelt kriechen.

Hello What's your name?

In Usbekistan hatten wir eines Abends die Kinder des ganzen Dorfes um uns versammelt. Ich baute gerade das Zelt auf und Roberto bereitete das Abendessen vor, als sie durch die Baumwollfelder auf uns zu kamen, um ihr Englisch an uns zu testen (Hello What’s your name?).

In Ungarn lud uns Lotzi, ein netter Schäfer, in seine kleine Wohnung ein. Wir zelteten auf dem Grundstück seines Bosses und Lotzi zeigte uns stolz seine Schafe und Pferde bevor wir in seinen vier Wänden Kaffee tranken und Suppe aßen. Am nächsten Morgen fegte er extra lange den Boden um unseren Zeltplatz herum, um sich auch während der Arbeit von uns verabschieden zu können, ohne dass sein Chef ihn tadelt.

In China waren es die Kinder, die das Eis brachen. Sie tobten um unser Zelt herum, übten auf Englisch bis zehn zu zählen und grillten kalte Pommes über dem tragbaren Kohleofen. Nach und nach versammelten sich auch die Erwachsenen um uns und löcherten uns mit Fragen. Leider verstanden wir kaum ein Wort.

In der Türkei fragten wir einen jungen Bauern nach einem Zeltplatz auf seinem Feld. Nachts um 23 Uhr klopfte er mit einem Freund, zwei Flaschen Cola, ein paar Chips und vielen Keksen an unserer Zelttür und wir verbrachten ein paar Stunden lachend unter dem Sternenhimmel.

In Thailand zelteten wir im Garten von Saksit, der gemeinsam mit seiner Frau ein Restaurant mit Karaoke mitten zwischen Palmölplantagen gebaut hat. Wir teilten unser Abendbrot, bekamen noch einen großen Teller Früchte obendrauf und sangen gemeinsam thailändische und englische Popmusik. Als wir bereits im Zelt lagen, schallten immer noch die schiefen Töne der Musik zu uns. Die Schweine im Garten grunzten im Takt mit.

Im Iran brauchten wir kaum nach Zeltplätzen zu fragen, dort fungieren alle Stadtparks am Wochenende als öffentliche Zeltplätze. Über dreißig Zelte zählte ich am ersten Morgen im Land auf dem Weg vom Zelt zum Bad. Die Iraner sind die wohl neugierigsten Menschen, alle wollen mit uns ins Gespräch kommen, wissen, wie wir ihr Land erfahren haben, wo wir herkommen und wo wir hin wollen. Immer wieder bekamen wir Obst, Wasser, Brot, Süßes, Datteln, ganze Mahlzeiten und Tee angeboten. Gegessen wird auf dem Fußboden.

In den Privathäusern der Menschen können wir uns an die lokale Kultur anpassen. Wir essen auf dem Boden oder auf kleinen Plastikhockern, mit dem Löffel, Stäbchen oder den Händen.

Ein Zelt auf das wir uns verlassen können, eröffnet uns die Möglichkeiten, auch ohne Pläne loszuradeln. Morgens wissen wir nie, wo wir abends ankommen. Mal fragen wir bei Bauern um die Erlaubnis, unser Zelt auf ihrem Grundstück aufzubauen, andermals breiten wir uns in der Wüste, im Wald oder in der Nähe eines Flusses aus und lassen uns überraschen. Vielleicht hat uns ja jemand entdeckt und wir können uns auf eine lustige Unterhaltung voller Handzeichen, Geräusche und Gelächter freuen.

Text: Annika Wachter

Fotos: Annika Wachter / Roberto Gallegos Ricci